Hochbegabung / Autismus / Neurodivergenz ist wie ein Kaleidoskop oder ein riesiger Berg Legosteine -

Bunt, vielfältig und immer wieder (anders) aussergewöhnlich

Kaleidoskop Neurodivergenz - Hochbegabung, Autismus, ADHS ist bunt und vielfältig - Praxis Martina Wilke

Das Leben mit Hochbegabung / Autismus (Neuro- divergenz) ist wie ein Kaleidoskop 🌈

Wieder ist Sonntagmorgen. Und ganz spontan kam mir der Gedanke, dass ich mal wieder etwas schreiben möchte. Vielleicht ausgelöst durch die letzten Tage. Vielleicht auch einfach, weil sich gerade so vieles gezeigt hat. So vieles, was mich einmal mehr daran erinnert hat, wie bunt das Leben eigentlich ist. Wie bunt Menschen sind.

Und wie unglaublich vielschichtig ein Leben mit Neurodivergenz sein kann.


Ich kenne natürlich nur mein eigenes Leben und das der Menschen, die mich umgeben. Und das sind überwiegend Menschen, die auf die eine oder andere Weise neurodivergent sind. Menschen, die anders denken, anders wahrnehmen, anders fühlen.


Und genau in dieser Welt bewege ich mich unglaublich gerne.

Nicht weil sie immer leicht wäre.

Sondern weil sie so lebendig ist.

Weil sie voller Überraschungen steckt.

Weil ich immer wieder staune. ✨


Manchmal denke ich ja, jetzt müsstest du dich doch langsam kennen.

Jetzt hast du doch schon so vieles verstanden.

So viele Jahre reflektiert.

Geforscht.

Gefühlt.

Geliebt.

Gehasst.

Verarbeitet.

Wieder neu angeschaut.

Und dann kommt trotzdem wieder etwas um die Ecke.

Noch eine Facette.

Noch eine Erkenntnis.

Noch eine neue Sichtweise.

Und ganz ehrlich?

Ich liebe das. 😊


Genau deshalb spreche ich so oft von einer Reise oder einer Expedition.

Denn genau so fühlt es sich für mich an.


Mit dem Rucksack durchs Leben 🎒


Wenn ich auf mein Leben schaue, dann habe ich manchmal das Bild vor Augen, dass wir alle mit einem Rucksack unterwegs sind.

Da ist alles drin.


Unsere Erfahrungen.

Unsere Erinnerungen.

Unsere Verletzungen.

Unsere Stärken.

Unsere Fähigkeiten.

All das, was wir unterwegs eingesammelt haben.

Und trotzdem wissen wir nie genau, was hinter der nächsten Kurve wartet.

Das gehört für mich zum Leben dazu.


Gerade neurodivergente Menschen scheinen selten dafür gemacht zu sein, innerlich irgendwo stehenzubleiben.

Natürlich wünschen wir uns Sicherheit.

Natürlich wünschen wir uns ein Zuhause.

Natürlich wünschen wir uns manchmal auch einfach Ruhe.

Aber gleichzeitig ist da oft diese Neugier.

Dieses Entdecken-Wollen.

Dieses „Da geht doch noch mehr“.

Nicht unbedingt im Sinne von höher, schneller, weiter.


Sondern eher im Sinne von:

Was gibt es noch zu entdecken?

Was möchte sich noch zeigen?

Wer bin ich eigentlich noch alles?


Das Kaleidoskop meiner Kindheit 🌈


Heute Morgen hatte ich plötzlich ein Bild vor Augen.

Ein Kaleidoskop.

Kennst du die noch?

Diese Röhren aus der Kindheit, durch die man hindurchgeschaut hat.

Und jedes Mal, wenn man sie ein kleines Stück gedreht hat, entstand ein neues Muster.

Bunte Splitter.

Farbige Steinchen.

Glitzer.

Licht.

Und jedes Bild war anders.

Ich habe diese Dinger geliebt. 😊


Und während ich so darüber nachdachte, wurde mir klar:

Genau so fühlt sich Neurodivergenz für mich an.

Vielleicht sogar Menschsein insgesamt.

Wir bestehen aus so vielen verschiedenen Anteilen.

Aus Gedanken.

Gefühlen.

Begabungen.

Interessen.

Bedürfnissen.

Empfindungen.

Erfahrungen.


Und all diese bunten Teilchen bewegen sich ständig.

Mal entsteht daraus ein wunderschönes Muster.

Mal sieht alles etwas chaotischer aus.

Mal scheint nichts zusammenzupassen.

Und dann, ganz plötzlich, ergibt sich wieder ein Bild. ✨


Die Frage nach der Diagnostik


Und dann kam mir noch eine andere Frage.

Eine Frage, die ich immer wieder spannend finde.

Wie wichtig ist es eigentlich, all diese einzelnen Teilchen genau zu benennen?


Versteh mich bitte nicht falsch.

Diagnostik kann unglaublich hilfreich sein.

Eine ADHS-Diagnose.

Eine Autismusdiagnose.

Eine Hochbegabungsdiagnostik.

All das kann Türen öffnen.

Verständnis schaffen.

Entlastung bringen.

Endlich einen Namen haben für das, was man vielleicht schon lange gespürt hat.

Das ist wertvoll.

Sehr wertvoll.


Aber irgendwann kommt oft der Moment danach.

Der Moment, in dem man sich fragt:

Und jetzt?


Das Bild mit den Legosteinen 🧩


Während ich darüber nachgedacht habe, hatte ich plötzlich noch ein anderes Bild vor Augen.

Unser Wohnzimmer vor vielen Jahren.

Voller Legosteine.

Wirklich voller Legosteine. 😄

Mein Sohn hatte damals unzählige Lego-Sets.

Kleine.

Große.

Riesige.

Und irgendwann lagen sämtliche Einzelteile überall verteilt.

Auf Decken.

In Kisten.

In Schalen.

Im gesamten Wohnzimmer.

Und wir haben angefangen zu sortieren.

Nach Farben.

Nach Formen.

Nach Größen.


Und genau daran musste ich denken.

Denn oft machen wir etwas Ähnliches mit uns selbst.

Wir sortieren.

Hier das ADHS.

Dort der Autismus.

Hier die Hochbegabung.

Dort die Hochsensibilität.

Hier die Kreativität.

Dort die Erschöpfung.

Hier die Stärke.

Dort die Herausforderung.


Und manchmal ist das wichtig.

Manchmal brauchen wir diese Ordnung.

Wir müssen verstehen, was gerade wirkt.

Was uns ausmacht.

Warum wir bestimmte Dinge erleben.

Aber irgendwann stelle ich mir die Frage:

Was passiert eigentlich danach?


Du bist das ganze Bild 💛


Denn am Ende sind wir doch nicht die einzelnen Legosteine.

Wir sind das gesamte Bauwerk.

Wir sind nicht nur ADHS.

Nicht nur Autismus.

Nicht nur hochbegabt.

Nicht nur hochsensibel.

Nicht nur dies.

Nicht nur das.

Wir sind alles zusammen.

Und noch viel mehr.


Vielleicht ist genau das manchmal die größte Herausforderung.

Dass so vieles gleichzeitig da ist.

Dass verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig da sind.


Dass ein Teil von uns Abenteuer möchte.

Während ein anderer Teil einfach nur seine Ruhe haben will.

Dass wir Neues erleben möchten und gleichzeitig Sicherheit brauchen.

Dass wir Menschen lieben und dennoch Rückzug brauchen.

Dass wir voller Ideen sind und gleichzeitig erschöpft.

Und ja, manchmal ist das ganz schön anstrengend.


Wenn alle bunten Teilchen gleichzeitig tanzen ✨


Die letzten Tage haben sich für mich ein wenig so angefühlt, als würden alle diese bunten Teilchen gleichzeitig tanzen.

Nicht chaotisch.

Sondern irgendwie harmonisch.

Als würde plötzlich alles ineinandergreifen.


Die Arbeit.

Die Gespräche.

Die Begegnungen.

Die Sonne.

Die Freude.

Die kleinen alltäglichen Dinge.

Und ich saß da und dachte:

Wie schön ist das eigentlich? ☀️


Wie schön ist es, wenn wir aufhören, gegen unsere Vielfalt zu kämpfen.

Wenn wir aufhören, alles kontrollieren zu wollen.

Wenn wir stattdessen neugierig werden.

Wenn wir uns anschauen, was da gerade ist.

Ohne Bewertung.

Ohne Druck.

Einfach nur mit Interesse.


Vielleicht geht es gar nicht darum, fertig zu werden 🌿


Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieses Sonntagmorgens.

Dass wir gar nicht fertig werden müssen.

Dass wir nicht irgendwann ankommen müssen.

Dass wir nicht alle Antworten brauchen.


Vielleicht reicht es, immer mal wieder innezuhalten.

Zu schauen, was gerade da ist.

Zu würdigen, wie viel wir eigentlich sind.

Und dann den nächsten Schritt zu gehen.

Mit all unseren Farben.

Mit all unseren Widersprüchen.

Mit all unseren besonderen Seiten.


🌈 Denn genau diese Vielfalt macht uns aus.

Und vielleicht ist sie gar kein Problem, das gelöst werden muss.

Sondern ein Geschenk, das immer wieder neu entdeckt werden möchte. ✨


In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude mit deiner eigenen Buntheit, deiner Vielschichtigkeit und all den wunderbaren Facetten, die dich zu dem Menschen machen, der du bist.


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